GESCHICHTE

Vor 411 Millionen Jahren wogte hier ein Flachmeer. In Senkungen lagerten sich Sedimente ab, Vulkane durchbrachen etwa 60 Millionen Jahre später diese Schichten. Es bildeten sich Korallenriffe, die Kontinente drifteten umher, verschoben und falteten sich, schieferten: das Rheinische Schiefergebirge entstand. Während sich dieser Teil vom Äquator Richtung Norden bewegte, erodierte das entstandene Gebirge und hob sich weiter, Wind- und Flusssedimente lagerten sich ab.
Vor 244 Millionen Jahren war das Rheinische Schiefergebirge eine
Insel am Rand eines flachen Meeres. Als vor 200 bis 65 Millionen
Jahren tropisch-suptropisches Klima herrschte, wurde der einst feste Schiefer aufgeweicht und die Rheinische Insel abgetragen. Es folgte Vulkanismus bei gleichzeitiger Hebung des Schiefergebirges. Flüsse begannen sich ihren Weg zu bahnen, vor etwa 15 Millionen Jahren
eine erste frühe Mosel.

Als vor 2,6 Millionen Jahren eine Phase klimatischer Schwankungen
mit Kalt- und Warmzeiten begann, hob sich zugleich das Schiefer-
gebirge schneller und die Flüsse schnitten sich tiefer ein. Aus vielen Einzelflüssen in der einst breiten Talwanne wurde ein mäandrierender Hauptfluss in einem engen, tiefer werdenden Tal, dessen Erosionskraft wuchs, der Flusschlingen abschnitt, Trockentäler und Umlaufberge zurückließ.

Vor etwa 11000 Jahren setzten erneut warmzeitliche Bedingungen ein, Wälder breiten sich wieder aus. Mit der Neolithische Revolution wurden die Menschen sesshaft, rodeten Wald, legten Felder an und begannen Tiere zu züchten. Die ältesten Siedlungsfunde an der Mosel datieren auf etwa 5000 v. Chr.

Vor zwei Jahrtausenden besiegten die Römer den damals hier lebenden keltischen Stamm der Treverer und blieben ein halbes Jahrtausend. Trier war in der Spätantike Kaiserstadt im Imperium Romanum. Die Römer revolutionierten Bauart, Landwirtschaft, Ess- und Trinkkultur, brachten viele der in den Kaltzeiten nördlich der Alpen ausgestorbene Tier- und Pflanzenarten wieder zurück und andere Arten dazu, und vor allem die Weinkultur und das Christentum hierher, die untrennbar miteinander verwoben scheinen.

In Trier entstand die erste Bischofskirche nördlich der Alpen. Seit dem 3. Jahrhundert ist Trier Bischofssitz. In Piesport/Mosel lassen kostbarste Funde, ein Diatretglas und eine goldene Fibel, darauf schließen, dass dort eine dem Kaiser sehr nahestehende Person weilte, vermutlich der Verwalter der kaiserlichen Weingüter. Original erhaltene Wandfragmente und Teile des Ziegelbodens erzählen in Trier von jenem Weinkeller, Horrea, in den die Weine aus den Kelteranlagen entlang der Mosel gebracht wurden. Die zahlreichen, heute teilweise rekonstruierten Kelteranlagen, erzählen zusammen mit Keltersteinen, Rebmessern und anderen Objekten vom damaligen Weinbau an der Mosel.

An der Mosel entlang führte damals eine Römerstraße. Eine Fernstraße zog sich weiter im Hunsrück durch bergiges Gebiet gen Trier. Hier bei Leiwen gab es vermutlich eine beide verbindende "aufsteigende Straße", die von den Römern als "clivus" bezeichnet wurde, das im Laufe der Jahrtausende über "Lyve" zu "Leiwen" wurde.

Im Jahr 406 ging die römische Administration an der Mosel in einem Ansturm von Alanen, Sueben und Vandalen unter, im Jahr 451 folgten Attilas Hunnen und zerstörten Trier, 475 wurde die Mosel ins Frankenreich eingegliedert und unterstand dem christlichen König Chlodwig, woraufhin im Jahr 526 der Trierer Bischof Nicentius mit dem Wiederaufbau des Trier Domes begann. Im Jahr 815 wurde Triers aus der Antike abgeleiter Status als Erzbistum erneuert. Klöster wurden gegründet und mit Weinbergsbesitz beschenkt, der ihre wirtschaftliche Existenz sicherte. Im Jahr 1458 stiftete Kardinal Nikolaus v.Kues das St. Nikolaus Hospital in seinem Heimatstädtchen, dem heutigen Bernkastel-Kues, das noch heute alte Menschen versorgt. Rund 120 Jahre später wurde in Trier eine Jesuitenschule gegründet, die später auch von Karl Marx besucht wurde. Auch deren Weingut erzeugte erstklassige Weine.

Erzbischof und Kurfürst von Trier, Clemens Wenzeslaus von Sachsen, stiftete 1773 das weinbauende Priesterseminar und ordnete 1786 an, dass anstelle des ertragreichen Elblings in seinem Reich nur mehr der feinere Riesling anzubauen sei, der im Jahr 1465 erstmals an der Mosel erwähnt wurde.

Über der Tür des sogenannten Zehnthofes in Leiwen zeigt das Kurtrierische Hoheitszeichen, dass dieses Haus Sitz des Meiers, des Vertreters des Trierer Erzbischofs und Kurfürsten war, das als Lagerplatz für die von der Gemeinde zu entrichtenden Abgaben diente. Der Erzbischof war spätestens seit dem 9. Jahrhundert Grundherr in Leiwen.

Die Herrschaft von Clemens Wenzeslaus endete mit dem Einmarsch der frz. Revolutionsheere im Jahr 1794. Im Jahr 1801 wurden die linksrheinischen Gebiete Frankreich angegliedert. Einst kirchliche Weingüter wurden in Paris versteigert, an Kaufleute und Beamte. Ein wirtschaftlicher Aufschwung der Region begann, vor allem der Weingüter, die mit verbesserter Düngung, bodennäherer Anbauweise, differenzierter Lese ihren Rieslinganbau optimierten ... Mit dem Wiener Kongress (1814-1815) wurde die Moselregion preußisch. Sich verändernde Zollgesetze begünstigen zunächst den Verkauf der Moselweine und erschweren ihn später wieder. 1840 fuhr das erste Dampfschiff auf der Mosel, 1860 wurde die Bahnstrecke Trier-Saarbrücken eröffnet, 1879 die von Trier nach Koblenz, als Teilstück der Bahnstrecke Berlin-Metz. Der Transport des Weines in die räumlich und wirtschaftlich wachsenden Städte mit steigender Nachfrage wurde einfacher.

Um die Jahrhundertwende errichtete der preußische Staat Weinbaudomänen, lehrreiche Musterbetriebe. Zugleich landeten die Weine bei Weinwettbewerben der Weltausstellungen auf den vordersten Plätzen. Die Nachfrage stieg und die Verkaufserlöse jagten angesichts des kleinen Weinanbaugebietes und der dadurch streng limitierten Menge in die Höhe. Die Mosel festigte ihre Position als eine der stilprägenden Weißweinregionen der Welt. Ihr Riesling nahm auch monetär Spitzenplätze auf den Karten exklusiver Restaurants in Berlin, New York, Paris, Warschau und London ein.

Die Reblaus kam nach Europa, zwei Kriege erschwerten den geordneten Weinbau. Doch in den Wirtschaftswunderjahren erlebte der Weinbau an der Mosel eine erneute Blütezeit, die abflaute, als reisefreudige Bundesbürger aus dem Süden andere Trink- und Essgewohnheiten mitbrachten. Eine Reihe kühler Sommer erschwerte den heimischen Weinbau. Zugleich wuchs das Angebot an Arbeitsplätzen außerhalb des Weinbaues. Luxemburg lockte mit lukrativen Jobs. Wer Abitur hatte und trotzdem Weinbau studierte, musste gutbezahlten Jobs aus der boomenden Neuen Weinwelt widerstehen. Mit den steinigen Steillagen an der Mosel nehmen es heute jene Enthusiasten auf, die um die Einzigartigkeit dieser Weine wissen.

Leicht und bekömmlich sind sie, animierend, anregend, vielleicht DER Zaubertrank der "Dichter und Denker". Denn die niedrigen Alkoholgehalte machen nicht träge, müde, schlapp, sondern streicheln die Sinne und beflügeln den Geist.

Der in Bordeaux geborene D. M. Ausonius hatte schon im Jahr 371 ein mehrere hundert Hexameter langes Lobgedicht auf den "Strom zwischen Reben an Hängen, wo duftende Weine gedeihen ..." geschrieben. Lang ist die Liste der Schreibenden und Komponierenden, die seither diese duftenden Weine und ihren Fluss besingen.

Johann Wolfgang v.Goethe schrieb anlässlich einer Moselfahrt 1792: "Die vielen Ortschaften zu beiden Seite gaben den muntersten Anblick; der Weinbau, überall sorgfältig gepflegt, ließ auf ein heiteres Volk schließen, das keine Mühe schont, den köstlichen Saft zu erzielen."  Der Komponist Ludwig van Beethoven (dessen Vorfahren mütterlicherseits von der Mosel stammten und den Namen Kewerich trugen) soll im Jahr 1827 an seinen Verleger Schott in Mainz geschrieben haben: "Nun komme ich mit einer bedeutenden Bitte ... Je geschwinder ich also diesen Rheinwein oder Moselwein erhalte, desto wohltätiger kann er mir in diesem jetzigen Zustande dienen."

Der Wein erfreue des Menschen Herz. (Psalm 104,15)